Anna Kerstin Otto – Outer and Inner Space

4. Juli – 28. November 2021

Aus unzähligen Farbschichten sind die neuen Bilder von Anna Kerstin Otto aufgebaut. Abstrahierte geometrische Formen wie Rechtecke, Quadrate oder L-förmige Streifen ordnen sich wie Bausteine vertikal und horizontal auf der Bildfläche an.

Übermalungen in Rot, Magenta, in Grüntönen oder in Gelb lassen zumeist die schwarzen Grundstrukturen zurücktreten bis hin zu einer vollständigen Übermalung. Der Farbauftrag in Schichten und großzügigem Duktus ist teilweise kraftvoll-opak, um damit darunter Liegendes rigide zu bedecken oder auch partiell lasierend, um den Grund durchscheinen zu lassen.

Ausgangspunkt der Werkserie stellen eigene, von der Künstlerin selbst generierte QR-Codes dar. Die Matrix aus schwarzen und weißen Strukturen wird damit zur Grundlage des Werkprozesses. Im Zuge der fortschreitenden Abstraktion und Übermalung verlieren die Strukturen jedoch an formaler Klarheit und Lesbarkeit. Die Codes werden fragmentiert und entziehen sich so jeglicher Dekodierung. Vielmehr werden sie zu Zeichenfragmenten eines ursprünglich formatfüllenden überdimensionierten Codes.

Die durch unzählige Farbschichten aufgebauten Bilder von Anna Kerstin Otto machen es derart unmöglich, die Ursprungscodes zu dechiffrieren und etwaige URLS aufzurufen bzw. in die entsprechende Website zu übersetzen. Der QR-Code in seiner Funktion als eine „Quick response“ wird auf diese Weise konterkariert.

Allein die Werktitel lassen einen Rückschluss zu auf einen ursprünglichen Code bzw. einen damit verbundenen Inhalt. Anna Kerstin Otto legt jeder Arbeit einen QR-Code zugrunde, der aus einem literarischen Text generiert wird. Die Werktitel wie „To escape“, „Bleached life“, „Too much effort“ oder poetisch „Sunshine and Rain love and Pain Detail“ lassen Inhalte aufscheinen, die digital nicht mehr zu dechiffrieren sind. Der Betrachter tritt an die Stelle des Scans und seine Imagination an jene des URL.

Das Wechselspiel von Verbergen und Enthüllen auf der Leinwand stellt ein produktionsästhetisches Gegenüber dar zur schrittweisen Annäherung und imaginierten Dechiffrierung des Werks durch den Betrachter. Das Werk gewinnt Autonomie. Anstelle der Entzifferung des Codes tritt nun die Imagination des Betrachters. Die Vielfalt des Kolorits auf der Leinwand lässt metaphorisch die wiedergewonnenen Spielräume der Fantasie aufscheinen.